Elbengift – Frank Rehfeld [Rezension]

Frank Rehfeld Elbengift

Inhaltsangabe zu Frank Rehfeld „Elbengift“

ElbengiftEin entsetzliches Verlangen bemächtigt sich Lhiuvans und pulsiert wie Gift durch seine Adern. Das Verlangen nach Blut, Feinde zu töten und Gegner niederzuschmettern. Möglicherweise nicht ungewöhnlich für einen Krieger, aber merkwürdig für einen Elben. Schließlich liebt sein Volk den Frieden und versucht sämtliche jüngere Völker, einschließlich die Zwerge von Elan-Dhor, für ein ebenso friedvolles Miteinander zu gewinnen.

Denn es waren die Elben, die Jahrtausende zuvor die Welt von den Chaosgöttern befreiten und die dämonenhaften Kreaturen von der Oberfläche verbannten – so beschreibt es Frank Rehfeld. In Elbengift folgen wir außerdem der jungen Elbenkriegerin Thalinuel, die miterleben muss, wie sich die Völker des Landes gegen ihre vermeintlichen Unterdrücker aufzulehnen beginnen und sich somit Widerstand gegen die Herrschaft der Elben zu regen beginnt.

Meine Meinung zu „Elbengift“ [Rezensionsexemplar]

Nachdem ich in letzter Zeit auf der Suche nach etwas klassischer Fantasy war – fernab von Romantic Suspence – bin ich beim Blanvalet Verlag auf die Kategorie „Tolkiens Erben“ gestoßen, worunter auch Frank Rehfeld genannt wurde. Es hat mich total neugierig gemacht, ob jemand diesem Kategorietitel gerecht werden kann, weswegen es mich sehr gefreut hat, dass mir der Verlag meine Frage nach einem Rezensionsexemplar positiv beantwortete.

„Kälte und Schnee waren wie ein Feind, dem er sich zum Kampf 
stellen wollte, dem er nicht ausweichen und von dem er sich 
nicht niederringen lassen würde.“

Rehfeld, Frank: Elbengift. Die Zwerge von Elan-Dhor 1. München 
(Blanvalet) 2011, S.9.

Inhalt: * * * *

In „Elbengift“ greift Frank Rehfeld den alten Zwist zwischen Elben und Zwergen wieder auf und erfindet damit natürlich das Rad nicht neu. Dennoch hat man nicht das Gefühl etwas hundert Mal durchgekautes zu lesen, da mit wesentlich weniger Klischees gearbeitet wird, als ich es bei High Fantasy gewohnt bin. Es gibt nicht die gierigen Zwerge, die arroganten Elben oder kriegerischen Menschen – das heißt, es gibt sie schon, aber Rehfeld schafft es das Ganze so subtil und vielschichtig darzustellen, dass man sich nicht in Fantasyklischees wieder findet.

In der von Frank Rehfeld geschaffenen Welt geht es zum einen um Völkerverständigung, denn die jüngeren Völker – die nach der Säuberung der Erde von den Chaosgöttern entstanden sind – fühlen sich im alten Zeitalter von den Elben unterdrückt und es kommt immer mehr zu Übergriffen. Die Elben, friedliebend in ihrem Wesen, aber verletzt in ihrem Stolz als Befreier und Förderer der anderen Völker, stehen vor der Wahl die Konflikte friedvoll oder kriegerisch zu lösen. Diese Wahl hat jedoch auch für ihr eigenes Volk weitreichende Folgen.

Dies ist jedoch nur ein Handlungsstrang, denn wir verfolgen auch die Geschichte von Lhiuvan im neuen Zeitalter. Beide Stränge finden erst gegen Ende zueinander, weswegen es ständig spannend und abwechslungsreich bleibt und man immer wissen möchte, wie es weiter geht. Es ist kein wirklich innovativer Plot, aber ich hatte das Gefühl mal etwas zu lesen, dass sich von anderen Fantasyromanen durchaus positiv abhebt.

Charaktere: * * * *

Auch bei der Charaktergestaltung merkt man eine gewisse Vielschichtigkeit. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, wer jetzt tatsächlich zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, was ich immer sehr begrüße. Denn ich rätsele gerne mit, welche Wendungen die Autoren ihren Charakteren zugedacht haben, und bin dann enttäuscht, wenn sie mich nicht mehr überraschen, weil ich richtig getippt habe. Hier war das nicht der Fall, denn ich war ständig über die Entwicklungen überrascht und habe sie nicht kommen sehen.

Sprache: * * * *

Zur Sprache ist eigentlich nicht viel zu sagen, denn man merkt sofort das Frank Rehfeld sein Handwerk versteht und es sich hier nicht um ein Erstlingswerk handelt. Es gab einige schöne Formulierungen und keine großen Patzer, was Ausdruck, Grammatik und Orthographie angeht.

Einziger Kritikpunkt, den ich anzumerken hätte, ist, dass die Dialoge stellenweise auf mich ein wenig gekünstelt wirkten. Selbst für Elbenverhältnisse waren sie zu nüchtern und vernünftig formuliert, was mich ab einen gewissen Punkt sogar etwas gestört hat, da mir eine gewisse Emotionalität fehlte. Gegen Ende nahmen solche Stellen ab und auch die Dialoge haben mich packen können.

Fazit: * * * *

Wer auf der Suche nach einem neuen Tolkien in all seinen Facetten ist, dessen Erwartungen werden hier nicht erfüllt, da ein Buch mit „nur“ 413  Seiten das gar nicht leisten kann. Allerdings ist „Elbengift“ handwerklich, gute Fantasy, die sich schnell weglesen lässt und ideal zum Lesen für Zwischendurch ist. Die Geschichte ist abwechslungsreich und äußerst kurzweilig. „Elbengift“ eignet sich meiner Meinung nach perfekt für Leute, die gerne einmal in das Genre reinschnuppern und nicht gleich einen dicken Wälzer zur Hand nehmen wollen. Wer jedoch schon einiges aus dem Bereich High Fantasy gelesen hat, der darf keine bahnbrechenden Innovationen erwarten, sondern einfach nur einen gut geschriebenen Roman.

Allgemeine Angaben zu „Die  Zwerge von Elan-Dhor 1“

Titel: Elbengift; Autor: Frank Rehfeld

Reihe: Die Zwerge von Elan-Dhor (1. Elbengift, 2. Elbensturm, 3. Elbentod)

Verlag: Blanvalet

ISBN: 978-3442267767

Jahr: 2011; Seiten: 413

Preis: 14 € (Klappbroschur, Zeitpunkt der Rezension)

REZENSIONSEXEMPLAR

Autorenporträt: Frank Rehfeld

Foto von Frank Rehfeld
© Frank Rehfeld

Frank Rehfeld ist kein unbeschriebenes Blatt unter den Fantasy-Autoren, sondern arbeitete schon mit Größen wie Wolfgang Hohlbein und wirkte auch an der Serie um den Hexer von Salem mit. Er verfasste erfolgreich etliche Romane zu TV-Serien wie Stargate und Andromeda. Man findet seine Arbeiten auch unter den folgenden Pseudonymen: Frank Thys, Frank Garrett und Jessica Atkins.

An die Spitze der deutschen Fantasy schrieb er sich zunächst 2009 mit der Reihe um den Zwergenkrieg („Zwergenfluch“, „Zwergenbann“, „Zwergenblut“) und dann um die Zwerge von Elan-Dhor („Elbengift“, „Elbensturm“, „Elbentod“), aber einen Namen machte er sich schon als Autor von der „Legende von Arcana“.