Ein Buch wurde freigelassen [Bookcrossing #1]

Bücher können Geschichten erzählen, doch nur wenn ihnen jemand zuhört. Deshalb habe ich beschlossen alle Bücher aus meinem Regal, die von mir vermutlich nicht mehr gelesen werden zu verkaufen oder auf anderem Wege zu neuen Lesern zu bringen. Einer dieser Wege nennt sich Bookcrossing, wo man Bücher quasi in die Wildnis entlässt und vom zukünftigen Leser finden lässt.
Bookcrossing KabelkaDieses Buch ist ein Rezensionexemplar gewesen, was mir ganz gut gefallen hat. Da es allerdings ein Thriller ist, würde ich es sicherlich nicht noch einmal lesen. Rezensionsexemplare dürfte ich von Rechtswegen her nicht verkaufen, deswegen habe ich dieses einfach bei bookcrossing.de registriert und mit einer ID-Nummer versehen an einer Straßenbahnhaltestelle ausgesetzt.

Bookcrossing Jemand AndersDa ich in Zukunft vermutlich öfter wieder als Bookcrosser tätig sein werde, werde ich in den nächsten Tagen eine Extra-Seite auf meinem Blog einrichten. Dort werden alle Beiträge zu den bisher freigelassenen Büchern gesammelt. Außerdem gibt es dort Updates, wenn das Buch einen neuen Besitzer erhalten hat. Wer nicht weiß, wie Bookcrossing funktioniert und was das eigentlich ist, der sollte ebenfalls dranbleiben. Auf dieser Seite werde ich das System auch noch einmal in Kurzform erklären.

Der LINK zu meiner Bookcrossing-Seite folgt im Laufe der nächsten Woche.^^

Grüße und einen schönen Sonntagabend.

Fünf – Ursula Poznanski [Rezension]

Thanks for the hunt – TFTH – mit diesen Worten bedankt sich der Mörder bei den Kommissaren für die Jagd nach ihm im Stile einer blutigen GPS-Schnitzeljagd, sprich dem Geocaching.

Fünf Ursula Poznanski

„Fünf“ Ursula Poznanski: Inhaltsangabe

Fünf auf AmazonBeatrice Kaspary, Ermittlerin und Mutter, ist in ihrem Leben an einem Wendepunkt angekommen. Die Trennung von ihrem Mann Achim setzt ihr zu und ihr stressiger Beruf tut sein Übriges um das Bild einer von Leben und Karriere überforderten Frau zu schaffen. Ein gefundenes Fressen für ihren Ex, der gerne die Kinder öfter wieder bei sich hätte. Zu all dem stellt sich nun eine außergewöhnliche Mordserie ein, die ihre vollste Aufmerksamkeit fordert.

Tätowierte Koordinaten auf den Füßen einer Frauenleiche führt das Ermittlerteam um Beatrice direkt zu ihrem ersten Geocache. Doch was sie in der Frischhaltebox finden, sind keine harmlosen Schätze und ein Logbuch, sondern eine blutige Überraschung und eine Nachricht des Owners. Der Startschuss für die grausigste Schnitzeljagd, die jemals stattgefunden hat.

„Ich werde Ihnen verraten, wie es sein wird. Erst werden Sie 
lügen. Danach werden Sie die Wahrheit sagen. Und am Ende werden 
Sie sterben.“
Poznanski, Ursula: Fünf. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt Verlag) 
2012, S. 220.

U. Poznanski „Fünf“: Rezension

Thriller und Krimis – diese Genres vermeide ich normalerweise, da mich blutige Taten und polizeiliche Ermittlungen nur selten vom Hocker reißen können. Ursula Poznanskis Bücher machen dabei allerdings eine Ausnahme, da mich die thematischen Hintergründe wie Geocaching („Fünf“), Computerspiele („Erebos“) oder Live-Rollenspiele („Saeculum“) vollkommen ansprechen. Daher wollte ich es schon immer mit Ursula Poznanski probieren und „Fünf“ war zufälligerweise das Buch, was mir in einer Mängelexemplarkiste als erstes in die Hände fiel.

Es war wirklich Spannung bis zur letzten Minute und den Mörder habe ich auch bis zum Schluss nicht erraten können. Immer ein gutes Zeichen für einen Thriller. Immer wenn es darum ging Beweise auszuwerten, Zeugen zu verhören oder die Rätsel des Mörders zu lösen, erwies sich das Buch als wahrer Pageturner. Und obwohl zu diesem Fall viele Puzzleteile gehören, war er vollkommen logisch durchdacht und für den Leser verständlich geschrieben. Ich war an keiner Stelle mit den Informationen überfordert oder musste zurückblättern.

Das Interessanteste dabei war für mich eigentlich nicht die Mordserie, sondern die Erklärungen zum Geocaching. Denn selbst wer sich in dem Milieu nicht auskennt, bekommt ganz gute Einblicke ins Vokabular und den verschiedenen Spielarten von Geocaching. Außerdem hat mich das Buch neugierig gemacht. Vielleicht probiere ich so etwas auch mal aus. (Nur hoffentlich ohne Leichenteile.)

Leider kann ich kein uneingeschränktes Loblied auf „Fünf“ von Ursula Poznanski singen. Was mich prinzipiell gestört hat – sogar soweit, dass ich das Buch fast aus der Hand legen wollte – war alles Zwischenmenschliche, was nicht direkt mit dem Fall zu tun hatte. Die Beziehung der Kommissarin Beatrice zu ihren Kollegen, zu ihrem Ex, zu ihren Kindern, zu ihrem Boss – alles war irgendwie stressig und stellenweise nicht nachzuvollziehen.

Warum sollte ihr Chef sie ständig auf dem Kieker haben, wenn sie doch Überstunden macht und für die Arbeit zuhause alles vernachlässigt? Warum ist ihr Mann so aggressiv, wenn er die Beziehung doch weiterführen will? … Solche Fragen gingen mir ständig durch den Kopf.

Auch die Handlungen von Beatrice kamen mir zum Teil recht naiv und unerklärlich vor. Kennt ihr das, wenn man einen Horror-Film guckt und man dem Mädchen auf der Leinwand zurufen möchte: „Tu das nicht! Da drinnen passiert etwas ganz schlimmes mit dir.“ – dieses Gefühl hatte ich an genau zwei Stellen. Für mich ist so etwas unheimlich naiv, da es doch so einfach gewesen wäre zuvor jemandem Bescheid zu sagen oder gar mitzunehmen.

Nicht nur, dass sie mir naiv vorkam, Beatrice Kapary war mir bis fast zum Ende auch unheimlich unsympathisch. Erst am Schluss konnte ich mich ein bisschen besser in sie hineinfühlen. Gegenüber ihrem Ex verteidigte sie sich beispielsweise immer damit, dass sie ihre Kinder nicht vernachlässige, aber stellenweise war ich tatsächlich eher auf der Seite des Ex-Mannes. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie ihre Kinder über ihren Beruf stellt, sondern eher andersherum.

Mein persönliches Fazit

Abgesehen von einer unsympathischen Ermittlerin und einigen zwischenmenschlichen Ungereimtheiten konnte mich „Fünf“ von U. Poznanski mit einer packenden Erzählung, einem rätselhaften, aber gut ausgetüftelten Fall sowie einer kreativen Idee in den Bann ziehen. Die kreative Idee: eine blutige Schnitzeljagd mit moderner GPS-Technik zu veranstalten. Vier von fünf Sternen dafür: Thanks for the hunt – TFTH.

4 Sterne Wertung

Allgemeine Angaben zu „Fünf“

Titel: Fünf; Autor: Ursula Poznanski

ISBN: 978-3805250313

Verlag: Rowohlt Verlag (Wunderlich); Ort: Reinbek bei Hamburg

Jahr: 2012 Seiten: 381 Seiten

Preis: 14,95 € (Broschiert, Zeitpunkt der Rezension)

Ursula Poznanski: Biographie und Bücher

Ursula Poznanski Biographie
© Martin Vukovits

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Ihr Studium bestand aus einer illustren Auswahl an Studiengängen wie Japanologie, Publizistik, Rechtswissenschaften oder Theaterwissenschaften, was ihr im Endeffekt keinen Abschluss, aber eine Menge interessanter Eindrücke. Nach der Uni begann sie als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag, für den sie sogar noch heute tätig ist. Ihre Laufbahn als Autorin begann mit einem Drehbuchwettbewerbs im ORF, an dem sie im Jahre 2000 teilnahm. Zwar gewann sie keinen Preis, aber die Erkenntnis, dass sie es schaffen kann Geschichten zu Ende zu führen. Wirkliche Erfolge konnte sie dann mit ihrem Jugendroman „Erebos“ und seinem Nachfolger „Saeculum“ feiern. Aktuell erschienen ist der dystopische Roman „Die Verratenen“ – der erste Teil einer Trilogie. (Stand Mai 2014)

Makellose Morde to go – Susanne Henke [Reupload]

Klappentext:

Aufgeben? Niemals. Henkes Helden sind der Traum eines jeden Arbeitgebers: engagiert, flexibel und lösungsorientiert. Kein Einsatz ist ihnen zu hoch für Quote oder Kundenglück, den Platz in der ersten Reihe, das Lächeln der Liebsten oder die ungestörte Ruhe ihres Refugiums. Menschen wie du und ich, scharfzüngig seziert und pointiert in den Abgrund gestoßen. Ein giftig-guter Cocktail garstiger Geschichten, der (schaden-)freudigen Genuss verspricht.

„In diesem Niemandsland, eingehüllt und abgeschnitten von der Welt, zeugen allein das dumpfe Dröhnen der Motoren, die leichte Vibration des Schiffsrumpfes von einem möglichen Fortgang der Reise, einer Reise ins Nichts, deren einziges Ziel die Überbrückung der Leere ist.“

Quelle: Henke, Susanne: Makellose Morde to go. Erlesene Verbrechen und herzerfrischende Gemeinheiten. Norderstedt (Books on Demand) 2009, S.115

Meine Meinung:

Kurzgeschichten mal anders. Susanne Henke verpackt Stoff für Krimis und Thriller in satirische, scharfzüngige und auch manchmal extrem zynische Geschichtchen von 2 bis maximal 6 Seiten in ihrem Werk „Makellose Morde to go„. In ausschmückender, bilderreicher Sprache muss man manchmal um ein paar Ecken mehr denken, damit man die Pointe versteht. Das widerspricht dem „to go“ im Titel ein wenig, denn die Stories einfach zu kompliziert, als dass man sie so nebenbei in der Straßenbahn weglesen könnte. Man muss dem Ganzen schon seine volle Aufmerksamkeit schenken. Es bleibt euch überlassen, ob ihr dies als Manko oder sprachliches Können interpretieren wollt. Ich, als Student, hätte mir tatsächlich gewünscht so ein paar gute Geschichten für zwischendurch zu haben. Schade.

Aber insgesamt sind die Geschichten wirklich gut. Ich bin normalerweise nicht so der Fan von Thrillern, aber hier bin ich positiv überrascht worden. Die Autorin erreicht es innerhalb von zwei Seiten Emotionen von „Entsetzen“ über „Belustigung“ hervorzurufen. Andere Autoren malen in „achso-epischen Werken“ von fast 1000 Seiten die unglaublichsten, brutalsten, ekelhaftesten Bilder und schaffen es doch nicht die Leser zu berühren. Henkes Rezept: Ihre Personen sind keine verrückten Massenmörder, die Leichen zerstückeln, sondern Menschen, wie du und ich. Geschichten, wie aus dem Alltag, aber dennoch eine Spur mörderischer.

Lest ihr gerne Kurzgeschichten? Oder fangt ihr unter 300 Seiten gar nicht erst an?