Die Kaffeeprinzessin – Karin Engel [Rezension]

„Die Kaffeeprinzessin“ von Karin Engel erzählt vom Bremer Kaffeewesen der Belle Epoque. Mehr noch handelt das Buch von einer starken Frau, die den Mut hat, Entscheidungen zu treffen und die Folgen ohne Reue in Kauf zu nehmen. „Die Kaffeeprinzessin – Karin Engel [Rezension]“ weiterlesen

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Winter der Welt – Ken Follett [Rezension]

Der wohl bekannteste, walisische Autor ist vor etwa drei Wochen – also genau am 05. Juni 2014 – 65 Jahre alt geworden. Ken Follett hat 1949 im Nachgang des Zweiten Weltkriegs das Licht der Welt erblickt, was den perfekten Anlass bietet um über seinen Kriegsepos Winter der Welt zu reden.

Winter der Welt Ken Follett

Nicht erst mit dem Erscheinen der Romane Sturz der Titanen (2010)und Winter der Welt (2013) hat der walisische Schriftsteller Ken Follett das Genre des historischen Romans wiederbelebt. Ein erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung ist ihm schon mit seinen Werken Die Säulen der Erde (1990) und Die Tore der Welt (2008) gelungen.

Im Fokus der vorliegenden Rezension steht aber Ken Folletts Roman Winter der Welt, der den Sturz der Titanen fortsetzt.

Winter der Welt – eine meisterhaft geschriebene Saga, die aufgrund des investigativen Arbeitsstils und unterhaltsamen Schreibstils ihres Autors jedes Geschichtslehrbuch in den Schatten stellt.

Winter der Welt – eine Saga, die das Schicksal der Generationen, die sowohl der Ersten Weltkrieg als auch den Zweiten miterleben musste, sehr detailliert und mit einem hohen Grad an Sachkenntnis und Verständlichkeit beschreibt.

Winter der Welt – die Jahrhundert-Saga von Ken Follett, die das, was unsere Vorfahren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erdulden mussten, vor dem geistigen Auge des Lesers lebendig und erlebbar macht.

Winter der Welt: Inhalt kurz wiedergegeben

Ken Follett Winter der Welt

Sehr ausführlich stellt Ken Follett in Winter der Welt die Schicksale der in der Sowjetunion lebenden Familie Peshkov, der Familie des Senators Gus Dewar in den USA, der britischen Familien des Earl Fitzherbert und der Parlamentsabgeordneten Ethel Leckwith – Williams und den Lebensweg der aristokratischen von Ulrichs in Deutschland sowie ihre durch Verwandtschaft und Freundschaft geprägten Verknüpfungen dar.

 So lebt beispielsweise Lev Peshkov als anrüchiger, aber erfolgreicher Geschäftsmann in den USA, während sein Bruder Grigori in Moskau zu denjenigen gehört, die das Winterpalais stürmten und später ungehindert Zugang zum großen Stalin hatten. Daisy Peshkov, Tochter von Lev, wird Ehefrau von Earl Fitzherberts Sohn, liebt aber Lloyd, den Sohn von Ethel Leckwith – Williams, die wiederum eine enge Freundin von Maud von Ulrich, der Schwester von Earl Fitzherbert ist. Jedoch muss der Leser keine Verwirrung befürchten, denn eine gut aufgestellte Namensliste zu Beginn der Lektüre erleichtert ihm, den Wechsel von Handlungsorten und -strängen nachzuvollziehen. Ein Großteil dieser Familien leistet je nach seinen Möglichkeiten seinen Beitrag im Kampf gegen den Hitlerfaschismus.

Ken Follett Winter der Welt: Rezension und Bewertung

Das Faszinierendste an Winter der Welt ist wohl auch, dass Follett Themen wie die Emanzipation der Frau, d.h. Probleme unehelich geborener Kinder, der Empfängnisverhütung, der gesellschaftlichen Stellung geschiedener Frauen und der Zulassung von Frauen an Universitäten ungeschminkt dem Leser nahe bringt.

Des Weiteren spricht er offen das Thema der Intoleranz gegenüber Homosexuellen beispielsweise in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg und bei der US – Navy in den 1940er Jahren an. Einen ziemlich breiten Raum in Winter der Welt nimmt Folletts Auseinandersetzung mit dem Thema der Euthanasie ein, denn gleich zwei der handelnden Familien sind davon betroffen. Er schweigt auch nicht über die Vergewaltigungen deutscher Mädchen und Frauen durch Angehörige der Roten Armee nach deren Sieg über den Hitlerfaschismus, jedoch auch die Gräueltaten der SS gegenüber der Zivilbevölkerung in Osteuropa kommen zur Sprache.

Erholsam für den Leser ist auch, dass Ken Follett in Winter der Welt nicht den üblichen Stereotypen folgt, denn bei ihm gibt es Faschisten nicht nur in Deutschland oder Kommunisten nicht nur in der Sowjetunion. Er zeigt, dass zur Handlungszeit des Romans, d.h. 1933 – 1948 vor allem junge Menschen, unabhängig davon, ob sie in den USA, in Großbritannien, Deutschland oder der damaligen Sowjetunion lebten, ähnlich gelagerte Probleme wie Liebeskummer, Eifersucht oder berufliche Karriere, nur unter unterschiedlichen Bedingungen zu bewältigen hatten.

Ken Follett führt mit Winter der Welt die Jahrhundert-Trilogie fort

Ken Follett Winter der Welt Trilogie

In Winter der Welt enthüllt der Autor auch, dass die Politik zeitweise Zweckbündnisse mit dem vermeintlichen Gegner und Zugeständnisse wider besseren Wissens erfordert, um große, hehrere Ziele zu erreichen. Deutlich wird das bei Ken Follett immer dann, wenn er aus amerikanischer Sicht, über die Bemühungen des Senators Gus Dewar um die Stabilisierung des Völkerbundes, dem Vorläufer der Vereinten Nationen, schreibt, denn in diesem multinationalen Bündnis gilt es, die Interessen aller beteiligten Länder zu berücksichtigen. Da muss man schon mal etwas tricksen bzw. Gespräche im kleinen Kreis im Herrenklub oder an der Bar, fernab der offiziellen Treffen führen.

Winter der Welt ist natürlich auch gespickt mit Liebesgeschichten, deren Verlauf beispielsweise durch Hürden wie den Bürgerkrieg in Spanien oder durch den Angriff japanischer Streitkräfte auf den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor mitbestimmt wird.

Im ersten Band Sturz der Titanen ist der Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine die Handlungen seiner Figuren dominierende Größe, wohingegen in Winter der Welt anhand einer Reihe von Schicksalen gezeigt wird, wie der wohl bisher blutigste Krieg, der Zweite Weltkrieg, das Leben der Menschen auf die tragischste Weise beeinflusste. Deshalb ist Winter der Welt besonders der jüngeren Generation zu empfehlen.

Zerbst, den 04.06.2014                                             Gastautorin: Annegret Mainzer

Familienbande – Michael Degen [Rezension]

Michael Degen Familienbande
Katja Mann mit ihren sechs Kindern um 1919. Von links nach rechts: Monika, Golo, Michael, Katia, Klaus, Elisabeth, Erika. By Anonymous [Public domain], via Wikimedia Commons (PD-1923)

Der namhafte Schauspieler Michael Degen, bekannt aus zahlreichen Verfilmungen, spielt oft ernsthafte Hauptrollen und zählt meines Erachtens zu den wahrlich großen, zeitgenössischen Mimen unseres Landes. Vor kurzem fiel mir sein Roman Familienbande in die Hände, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann, da das Thema, nämlich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern nie an Aktualität verliert.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn gestaltete und gestaltet sich in vielen Familien und zu allen Zeiten nicht selten sehr speziell, um nicht zu sagen – schwierig. Denn allzu oft projizieren Väter – meist in bester Absicht – ihre Vorstellungen vom Leben auf die Söhne, die sich erfahrungsgemäß vehement dagegen wehren.

Michael Degen – Schauspieler und Schriftsteller

Familienbande auf Amazon

Umso schwieriger ist ein solches Verhältnis für die Söhne zu ertragen, die stets an den Leistungen ihrer in der Öffentlichkeit stehenden und scheinbar übermächtigen Väter gemessen werden, wie es bei Michael Mann der Fall war, dem jüngsten Spross des viel geachteten und international anerkannten deutschen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Thomas Mann.

In seinem Roman Familienbande zeichnet der Autor Michael Degen ein tiefgründiges und facettenreiches Porträt dieses ungewöhnlichen, aufmüpfigen, aber talentierten Michael Mann, im Buch konsequent Bibi genannt. Bibi, dessen Leben einerseits vom Kampf um die väterliche Zuneigung und andererseits von Unruhe, Alkoholexzessen und Gewaltbereitschaft, die weder vor Lehrern noch vor Ehefrau, Kollegin und Sohn haltmacht, geprägt ist, steht im Fokus des Romans Familienbande.

Michael Degen „Familienbande“ – Rezension und eigene Meinung

Jedoch stellt Degens Roman Familienbande keine reine Biografie dar. Er lässt die Leser auch teilhaben am Familienalltag der Manns. Der Schriftsteller Thomas Mann, der von allen „der Zauberer“ genannt wird, ist Oberhaupt der Familie, dessen Bedürfnissen sich sowohl Ehefrau wie auch Kinder unterzuordnen haben. Damit er seiner Berufung, dem Schreiben, nachgehen kann, muss im Haus mit sechs Kindern absolute Stille herrschen. Zudem bietet das Buch Familienbande nebenbei und fernab der üblichen Schullektüre lebendige Geschichtslektionen, denn der Autor Michael Degen gibt ebenfalls einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der deutschen Intellektuellen, die zur Zeit des Hitlerfaschismus ins Exil gehen mussten, aber diesen nie in seiner Endkonsequenz realisieren wollten oder konnten.

„Familienbande“ – Buch und mehr als eine reine Biografie

Michael Degen
Foto: Udo Grimberg, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 DE [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

Bibi, der Protagonist von Michael Degens Familienbande, der ebenfalls das Exil in der Schweiz, in Großbritannien und in den Staaten kennen lernte, bemüht sich Zeit seines Lebens die Liebe und Anerkennung seines Vaters zu erringen, indem er zunächst versucht, als Bratschist Erfolg zu haben. Dabei ergeben sich sogar Momente einer scheinbaren Annäherung, doch eben nur scheinbar. Immer wieder sind es die Familienbande, d.h. seine Geschwister, vor allem sein mehr als zehn Jahre älterer drogensüchtiger Bruder Klaus, im Buch Aissi genannt, und seine Mutter, die verhindern, dass es zum endgültigen Bruch mit seinem Vater Thomas Mann kommt. Und in fast allen schwierigen Lebenssituationen von Bibi – z.B. als er der Schule und des Konservatoriums verwiesen wurde – lässt ihn sein Vater nicht im Stich und hilft ihm, wieder auf die Beine zu kommen.

Michael Degens Buch „Familienbande“ erzählt von Bibi

Nach dem Tode von Thomas Mann sattelt Bibi von der Musik auf Germanistik um und befasst sich mit den väterlichen Tagebüchern. Was liest er darin? Wie wirkt sich ihre Lektüre auf Bibis weiteres Leben aus?

„Dein Vater wird auch dann noch am Leben sein, wenn es längst niemand mehr weiß, dass es Nachkommen von ihm gegeben hat.“- Schonungslos muss er diese Worte aus dem Mund seiner Mutter vernehmen. Wie wird er darauf reagieren?

Familienbande, ein dialogreich gestalteter und in gekonnter deutscher Sprache niedergeschriebener Roman vom stilsicheren Michael Degen, der es dem Leser schwer macht, das Buch zeitweise aus der Hand zu legen.

 

Zerbst, den 19.03.2014                                                                               Annegret Mainzer

Die Zarin der Nacht – Eva Stachniak [Rezension]

Eva Stachniaks „Die Zarin der Nacht“ blickt zurück auf ein mächtiges Leben und die Bemühungen Licht in die Dunkelheit zu bringen.

In dieser Gastrezension geht es, nachdem meine Mutter, Annegret Mainzer, zunächst ihre „Der Winterpalast“-Rezension verfasst hatte, nun um den zweiten Teil – nämlich „Die Zarin der Nacht“.

Die Zarin der Nacht

Die Zarin der Nacht: Die letzten Tage Katharinas II.

Die Zarin der Nacht CoverOhne Zweifel entspricht der Roman „Der Winterpalast“ der in Kanada lebenden polnischstämmigen Autorin Eva Stachniak den Kriterien, die einen Bestseller ausmachen, wovon diverse positive Rezensionen und die hohen Verkaufszahlen in Kanada, Polen und Deutschland beredtes Zeugnis ablegen.

Seit Herbst 2013 ist nun Eva Stachniaks zweites Buch über Zarin Katharina II. „ Die Zarin der Nacht“ auf dem Büchermarkt, auch auf dem deutschsprachigen.

Während Eva Stachniak im ersten Buch ihre Leser am Leben bei Hofe in St. Petersburg zur Zeit der Ankunft der blutjungen und unerfahrenen Anhalt- Zerbster Fürstentochter bis zu deren Inthronisation als Zarin Katharina II. durch die Augen einer Spionin teilhaben lässt, stehen im zweiten Buch „ Die Zarin der Nacht“  die letzten Tage der Katharinas II. und ihr Rückblick auf ihre Politik und persönlichen Entscheidungen, auf ihre Familie, Favoriten, Weggefährten und ihre Feinde im Mittelpunkt.

Die Zarin der Nacht: Eine wehmütige Retrospektive

Den Höhepunkt ihrer Macht schon längst überschritten und auf dem Sterbebett liegend, ihrer körperlichen Mobilität und ihres Sprachvermögens infolge eines Schlaganfall beraubt, erlebt Katharina II., die einst mächtigste Frau am Zarenhof, wie die sie umgebenden Personen – von der einfachen Bediensteten über hochrangige Staatsmänner bis hin zu Sohn und Enkelsohn – sich auf die Zeit nach ihrem Ableben einrichten. So hegt sie bis zu ihrem letzten Atemzug Zweifel an der wahren Loyalität der ihr Nahestehenden und ihrer Untergebenen. Zweifel, die sie ihr Leben lang begleiteten.

In ihre Beobachtungen, die sie vom Sterbelager aus nur ohnmächtig wahrnehmen kann, mischen sich auch Erinnerungen sowohl an weit zurückliegende wie auch an erst kurz vor ihrem Schlaganfall geschehene Ereignisse, z.B. an ihren misslungenen Versuch, durch die von ihr forcierte  Verlobung ihrer Enkeltochter Alexandra Pawlowna  ein Bündnis zwischen Russland und Schweden zu etablieren.

Eva Stachniak – „Die Zarin der Nacht“ ist ein würdiger Nachfolger

Eva Stachniak

Ihre Retrospektive ihre Favoriten wie Orlow, Poniatowski oder Potemkin betreffend, gehört zweifellos zu den Schlüsselszenen des Romans, um die mächtige Zarin auch als Frau zu verstehen, die sich Zeit ihres Lebens nach der Liebe um ihrer selbst Willen gesehnt hat.

Eva Stachniak zeigt auch eine Zarin, die nach der Geburt ihres ersten Sohnes Paul durchaus von echten Muttergefühlen durchdrungen war, aber aufgrund der von Zarin Elisabeth angeordneten Wegnahme ihres Kindes diese vorerst nicht leben durfte und so nie den richtigen Zugang zu ihrem Sohn fand. Infolge dieses Missverhältnisses hatte Katharina II. den Entschluss gefasst, Sohn Paul von der Thronfolge auszuschließen und ihren Enkel Alexander zu inthronisieren.

Die Ungeheuerlichkeit einer solchen Entscheidung war ihr durchaus bewusst und ließ sie auch mit deren Bekanntgabe zögern. Nun nicht mehr in der körperlichen Lage kommt sie zur bitteren Erkenntnis, dass es dafür zu spät sei, denn auch den Enkel Alexander plagt das schlechte Gewissen gegenüber seinem Vater.

Die Zarin der Nacht: Rezension und Fazit

Im Roman „ Die Zarin der Nacht“ bedient sich Eva Stachniak eines sehr verständlichen, klaren und anschaulichen Sprachstils, der es dem Leser glauben macht, er stünde direkt neben dem Sterbelager der Zarin und erlebe live die letzten Stunden im Leben von Katharina II. mit. Durch die  schonungslos direkte Beschreibung ihrer körperlichen Leiden, z.B. offene Beine, und ihrer absoluten Hilflosigkeit angesichts des Todes befreit die Autorin die Hauptfigur ihres Romans von jeglicher Glorifizierung.

Eva Stachniaks Roman „Die Zarin der Nacht“, ein Zurückschauen auf  das Leben von Katharina II., bietet nicht unbedingt neuste historisch relevante Erkenntnisse, jedoch durch die künstlerische Freiheit der Autorin, die sich aber größtenteils an die historischen Fakten hält, öffnet sich dem an der Historie interessierten Leser der Blick für die scheinbar belanglosen Dinge im Alltag eines gekrönten Hauptes, die aber durchaus die eine oder andere seiner Entscheidungen beeinflussten, wobei ebenfalls Parallelen zu den Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft unserer Zeit gezogen werden können.

Zerbst, den 04.03.2014

Annegret Mainzer

Allgemeine Angaben zum Eva Stachniak Buch

Titel: Die Zarin der Nacht; Autor: Stachniak, Eva

Original: The Empress of the Night

Reihe:  

  1. Der Winterpalast
  2. Die Zarin der Nacht

ISBN: 978-3458359562

Verlag: Insel Verlag

Jahr: 2013; Seiten: 491

Preis: 14,99 € (Taschenbuch, Zeitpunkt der Rezension)