Fünf – Ursula Poznanski [Rezension]

Thanks for the hunt – TFTH – mit diesen Worten bedankt sich der Mörder bei den Kommissaren für die Jagd nach ihm im Stile einer blutigen GPS-Schnitzeljagd, sprich dem Geocaching.

Fünf Ursula Poznanski

„Fünf“ Ursula Poznanski: Inhaltsangabe

Fünf auf AmazonBeatrice Kaspary, Ermittlerin und Mutter, ist in ihrem Leben an einem Wendepunkt angekommen. Die Trennung von ihrem Mann Achim setzt ihr zu und ihr stressiger Beruf tut sein Übriges um das Bild einer von Leben und Karriere überforderten Frau zu schaffen. Ein gefundenes Fressen für ihren Ex, der gerne die Kinder öfter wieder bei sich hätte. Zu all dem stellt sich nun eine außergewöhnliche Mordserie ein, die ihre vollste Aufmerksamkeit fordert.

Tätowierte Koordinaten auf den Füßen einer Frauenleiche führt das Ermittlerteam um Beatrice direkt zu ihrem ersten Geocache. Doch was sie in der Frischhaltebox finden, sind keine harmlosen Schätze und ein Logbuch, sondern eine blutige Überraschung und eine Nachricht des Owners. Der Startschuss für die grausigste Schnitzeljagd, die jemals stattgefunden hat.

„Ich werde Ihnen verraten, wie es sein wird. Erst werden Sie 
lügen. Danach werden Sie die Wahrheit sagen. Und am Ende werden 
Sie sterben.“
Poznanski, Ursula: Fünf. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt Verlag) 
2012, S. 220.

U. Poznanski „Fünf“: Rezension

Thriller und Krimis – diese Genres vermeide ich normalerweise, da mich blutige Taten und polizeiliche Ermittlungen nur selten vom Hocker reißen können. Ursula Poznanskis Bücher machen dabei allerdings eine Ausnahme, da mich die thematischen Hintergründe wie Geocaching („Fünf“), Computerspiele („Erebos“) oder Live-Rollenspiele („Saeculum“) vollkommen ansprechen. Daher wollte ich es schon immer mit Ursula Poznanski probieren und „Fünf“ war zufälligerweise das Buch, was mir in einer Mängelexemplarkiste als erstes in die Hände fiel.

Es war wirklich Spannung bis zur letzten Minute und den Mörder habe ich auch bis zum Schluss nicht erraten können. Immer ein gutes Zeichen für einen Thriller. Immer wenn es darum ging Beweise auszuwerten, Zeugen zu verhören oder die Rätsel des Mörders zu lösen, erwies sich das Buch als wahrer Pageturner. Und obwohl zu diesem Fall viele Puzzleteile gehören, war er vollkommen logisch durchdacht und für den Leser verständlich geschrieben. Ich war an keiner Stelle mit den Informationen überfordert oder musste zurückblättern.

Das Interessanteste dabei war für mich eigentlich nicht die Mordserie, sondern die Erklärungen zum Geocaching. Denn selbst wer sich in dem Milieu nicht auskennt, bekommt ganz gute Einblicke ins Vokabular und den verschiedenen Spielarten von Geocaching. Außerdem hat mich das Buch neugierig gemacht. Vielleicht probiere ich so etwas auch mal aus. (Nur hoffentlich ohne Leichenteile.)

Leider kann ich kein uneingeschränktes Loblied auf „Fünf“ von Ursula Poznanski singen. Was mich prinzipiell gestört hat – sogar soweit, dass ich das Buch fast aus der Hand legen wollte – war alles Zwischenmenschliche, was nicht direkt mit dem Fall zu tun hatte. Die Beziehung der Kommissarin Beatrice zu ihren Kollegen, zu ihrem Ex, zu ihren Kindern, zu ihrem Boss – alles war irgendwie stressig und stellenweise nicht nachzuvollziehen.

Warum sollte ihr Chef sie ständig auf dem Kieker haben, wenn sie doch Überstunden macht und für die Arbeit zuhause alles vernachlässigt? Warum ist ihr Mann so aggressiv, wenn er die Beziehung doch weiterführen will? … Solche Fragen gingen mir ständig durch den Kopf.

Auch die Handlungen von Beatrice kamen mir zum Teil recht naiv und unerklärlich vor. Kennt ihr das, wenn man einen Horror-Film guckt und man dem Mädchen auf der Leinwand zurufen möchte: „Tu das nicht! Da drinnen passiert etwas ganz schlimmes mit dir.“ – dieses Gefühl hatte ich an genau zwei Stellen. Für mich ist so etwas unheimlich naiv, da es doch so einfach gewesen wäre zuvor jemandem Bescheid zu sagen oder gar mitzunehmen.

Nicht nur, dass sie mir naiv vorkam, Beatrice Kapary war mir bis fast zum Ende auch unheimlich unsympathisch. Erst am Schluss konnte ich mich ein bisschen besser in sie hineinfühlen. Gegenüber ihrem Ex verteidigte sie sich beispielsweise immer damit, dass sie ihre Kinder nicht vernachlässige, aber stellenweise war ich tatsächlich eher auf der Seite des Ex-Mannes. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie ihre Kinder über ihren Beruf stellt, sondern eher andersherum.

Mein persönliches Fazit

Abgesehen von einer unsympathischen Ermittlerin und einigen zwischenmenschlichen Ungereimtheiten konnte mich „Fünf“ von U. Poznanski mit einer packenden Erzählung, einem rätselhaften, aber gut ausgetüftelten Fall sowie einer kreativen Idee in den Bann ziehen. Die kreative Idee: eine blutige Schnitzeljagd mit moderner GPS-Technik zu veranstalten. Vier von fünf Sternen dafür: Thanks for the hunt – TFTH.

4 Sterne Wertung

Allgemeine Angaben zu „Fünf“

Titel: Fünf; Autor: Ursula Poznanski

ISBN: 978-3805250313

Verlag: Rowohlt Verlag (Wunderlich); Ort: Reinbek bei Hamburg

Jahr: 2012 Seiten: 381 Seiten

Preis: 14,95 € (Broschiert, Zeitpunkt der Rezension)

Ursula Poznanski: Biographie und Bücher

Ursula Poznanski Biographie
© Martin Vukovits

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Ihr Studium bestand aus einer illustren Auswahl an Studiengängen wie Japanologie, Publizistik, Rechtswissenschaften oder Theaterwissenschaften, was ihr im Endeffekt keinen Abschluss, aber eine Menge interessanter Eindrücke. Nach der Uni begann sie als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag, für den sie sogar noch heute tätig ist. Ihre Laufbahn als Autorin begann mit einem Drehbuchwettbewerbs im ORF, an dem sie im Jahre 2000 teilnahm. Zwar gewann sie keinen Preis, aber die Erkenntnis, dass sie es schaffen kann Geschichten zu Ende zu führen. Wirkliche Erfolge konnte sie dann mit ihrem Jugendroman „Erebos“ und seinem Nachfolger „Saeculum“ feiern. Aktuell erschienen ist der dystopische Roman „Die Verratenen“ – der erste Teil einer Trilogie. (Stand Mai 2014)

Prinz der Dunkelheit – Mark Lawrence [Rezension]

Mark Lawrence konnte mich mit seinem Prinzen der Dunkelheit – im Englischen noch treffender als „Prince of Thorns“ betitelt – endlich aus meiner langen Leseflaute holen.
Prinz der Dunkelheit

Mark Lawrence „Prinz der Dunkelheit“: Inhaltsangabe

Prinz der Dunkelheit CoverVier Jahre sind vergangen seit Jorg Ankrath versteckt in einem Dornenbusch mit ansehen musste, wie Graf Renars Soldaten seine Mutter und seinen kleinen Bruder brutal ermordeten. Den Dornen gleich frisst sich der Hass auf Renar tief in das Fleisch des jungen Thronerben. Sein Groll gilt jedoch nicht nur dem mörderischen Grafen, sondern gleichermaßen seinem untätigen Vater. Der König legt lieber die Hände in den Schoß und erkauft sich Frieden als den Mord an Frau und Sohn zu rächen.

Getrieben von Rachegedanken und dem Scheinheiligtum des Hofes überdrüssig schließt sich Jorg einer Truppe von Straßenräubern an, die plündernd von Dorf zu Dorf ziehen. Fernab der höfischen Kultur erfährt er so, was es tatsächlich bedeutet im Krieg zu sein. Dieses Wissen nutzt er, um seinen ganz persönlichen Feldzug zu beginnen.

„Hass hält einen am Leben, wenn Liebe versagt“
Lawrence, Mark: Prinz der Dunkelheit. München (Heyne) 2013, S.34.

Der Prinz der Dunkelheit: Rezension

Zugegeben, auf den ersten hundert Seiten von Mark Lawrences Prinz der Dunkelheit, fand ich die Handlung ganz nett, aber mehr auch nicht. Mir fehlte Tiefgang, es ging mir stellenweise zu schnell und auch sprachlich war es einfach nur ok – also nicht besonders herausragend. Doch ab einem Punkt in der Geschichte, den ich hier jetzt nicht vorweg nehmen möchte, konnte ich den Prinz der Dunkelheit nicht mehr aus der Hand legen. Alles was mich vorher gestört hatte, habe ich nur noch am Rande wahrgenommen, da ich zu beschäftigt mit Umblättern gewesen bin.

Mark Lawrence schildert die Geschichte in der ich-Perspektive und in der Vergangenheitsform, was ich immer recht angenehm zu lesen finde. Das Besondere lag vor allem in der geschickten Verknüpfung der gegenwärtigen Handlung mit eingeflochtenen Rückblicken. So erfährt man schnell, was den jungen Jorg Ankrath antreibt. Sprachliche Höchstleistung fand ich insbesondere in den Dialogen zwischen Vater und Sohn, die die perfekte Mischung aus Zynismus, Humor und Spott boten.

Von Beginn an begleitet der Leser im Prinz der Dunkelheit seinen Rachefeldzug gegen die Geister der Vergangenheit. Schnell glaubt man die Handlung zu durchschauen und ist im Grund genauso ahnungslos wie Jorg. Gegen Ende ist mir beinahe wörtlich die Kinnlade runtergefallen, da ich mit solchen Wendungen wirklich nicht gerechnet hatte. Ich liebe es, wenn Bücher und Handlungen mich überraschen können. Alles was ich am Anfang zu bemängeln hatte, macht rückblickend gesehen sogar stilistisch Sinn. Daher konnten sich Mark Lawrence und der erste Teil der Trilogie von den anfänglich anvisierten vier Sternen, doch noch zur Höchstwertung von fünf Sternen erheben.

5 Sterne Wertung

Mark Lawrence: Mein Fazit zum Autor und zum Buch

Prinz der Dunkelheit von Mark Lawrence zeigt einen Helden, der sich alles andere als heldenhaft benimmt, eine grausame Welt voll düsterer Fantasie und ein höfisches Intrigenspiel, das jegliche Vorstellungskraft übersteigt. Wohlverdiente fünf Sterne für eine handwerklich ausgereifte Schreibe, überraschende Wendungen und einem Jorg Ankrath voller Widersprüche und Mysterien. Begeisterte Leser von Game of Thrones oder Ken Follets Säulen der Erde werden sich hier sicherlich zuhause fühlen.

Prinz der Dunkelheit von Mark Lawrence: Allgemeine Angaben

Titel: Prinz der Dunkelheit (OT: Prince of Thorns); Autor: Mark Lawrence

Reihe:

  1. Prinz der Dunkelheit (OT: Prince of Thorns)
  2. König der Dunkelheit (OT: King of Thorns)
  3. Kaiser der Dunkelheit (OT: Emperor of Thorns)

ISBN: 978-3453528253

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag; Ort: München

Jahr: 2013 (Original: 2011); Seiten: 380 Seiten

Preis: 13,00 € (Taschenbuch, Zeitpunkt der Rezension)

Mark Lawrence: Autor und Wissenschaftler in einer Person

Mark Lawrence
© Nick Williams

Normalerweise widmet sich Mark Lawrence – Jahrgang 1968 – der Wissenschaft und erforscht künstliche Intelligenz. Doch 2011 debütierte der Wissenschaftler mit seinem Roman Prinz der Dunkelheit, der für mehrere Preise in die engere Auswahl gelangte. Mittlerweile wurde sein Werk in über 20 Sprachen übersetzt. Der gebürtige US-Amerikaner lebt heute zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern in England.

Kleine Info am Rande: Übersetzt ins Deutsche hat dieses Buch Andreas Brandhorst. Wer diesen Mann noch nicht kennt, hat etwas verpasst. Er schreibt selbst Romane – unsterblich ist er für mich jedoch mit seinen Übersetzungen der Scheibenweltromane von Terry Pratchett geworden. Einen sprachlich so markanten Autoren ins Deutsche zu übertragen, ohne lächerlich bemüht zu wirken, ist eine große Kunst, die er mühelos beherrscht. Das kommt auch dem Prinzen der Dunkelheit zugute.

Makellose Morde to go – Susanne Henke [Reupload]

Klappentext:

Aufgeben? Niemals. Henkes Helden sind der Traum eines jeden Arbeitgebers: engagiert, flexibel und lösungsorientiert. Kein Einsatz ist ihnen zu hoch für Quote oder Kundenglück, den Platz in der ersten Reihe, das Lächeln der Liebsten oder die ungestörte Ruhe ihres Refugiums. Menschen wie du und ich, scharfzüngig seziert und pointiert in den Abgrund gestoßen. Ein giftig-guter Cocktail garstiger Geschichten, der (schaden-)freudigen Genuss verspricht.

„In diesem Niemandsland, eingehüllt und abgeschnitten von der Welt, zeugen allein das dumpfe Dröhnen der Motoren, die leichte Vibration des Schiffsrumpfes von einem möglichen Fortgang der Reise, einer Reise ins Nichts, deren einziges Ziel die Überbrückung der Leere ist.“

Quelle: Henke, Susanne: Makellose Morde to go. Erlesene Verbrechen und herzerfrischende Gemeinheiten. Norderstedt (Books on Demand) 2009, S.115

Meine Meinung:

Kurzgeschichten mal anders. Susanne Henke verpackt Stoff für Krimis und Thriller in satirische, scharfzüngige und auch manchmal extrem zynische Geschichtchen von 2 bis maximal 6 Seiten in ihrem Werk „Makellose Morde to go„. In ausschmückender, bilderreicher Sprache muss man manchmal um ein paar Ecken mehr denken, damit man die Pointe versteht. Das widerspricht dem „to go“ im Titel ein wenig, denn die Stories einfach zu kompliziert, als dass man sie so nebenbei in der Straßenbahn weglesen könnte. Man muss dem Ganzen schon seine volle Aufmerksamkeit schenken. Es bleibt euch überlassen, ob ihr dies als Manko oder sprachliches Können interpretieren wollt. Ich, als Student, hätte mir tatsächlich gewünscht so ein paar gute Geschichten für zwischendurch zu haben. Schade.

Aber insgesamt sind die Geschichten wirklich gut. Ich bin normalerweise nicht so der Fan von Thrillern, aber hier bin ich positiv überrascht worden. Die Autorin erreicht es innerhalb von zwei Seiten Emotionen von „Entsetzen“ über „Belustigung“ hervorzurufen. Andere Autoren malen in „achso-epischen Werken“ von fast 1000 Seiten die unglaublichsten, brutalsten, ekelhaftesten Bilder und schaffen es doch nicht die Leser zu berühren. Henkes Rezept: Ihre Personen sind keine verrückten Massenmörder, die Leichen zerstückeln, sondern Menschen, wie du und ich. Geschichten, wie aus dem Alltag, aber dennoch eine Spur mörderischer.

Lest ihr gerne Kurzgeschichten? Oder fangt ihr unter 300 Seiten gar nicht erst an?