Die Kaffeeprinzessin – Karin Engel [Rezension]

„Die Kaffeeprinzessin“ von Karin Engel erzählt vom Bremer Kaffeewesen der Belle Epoque. Mehr noch handelt das Buch von einer starken Frau, die den Mut hat, Entscheidungen zu treffen und die Folgen ohne Reue in Kauf zu nehmen.

„Die Kaffeeprinzessin“ von Karin Engel: Der Inhalt

Karin Engel und „Die Kaffeeprinzessin“ versetzen den Leser in das Bremen der Belle Epoque.Bremen zu Beginn des 20. Jahrhunderts – die junge Felicitas Wessel steht am Scheideweg. Sie hat die Möglichkeit in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten, um als gefeierte Schauspielerin am Theater eine Karriere zu beginnen. Schließlich konnten ihre kühl funkelnden Augen bisher noch jedes Publikum in den Bann ziehen. Insgeheim befürchtet sie jedoch, dass ihre Schauspiellehrerin Recht hat und ihr theatralisches Talent einzig auf dem Wunsch nach Geltung fußt.

Selbst die Begegnung mit dem jungen Erben der Bremer Kaffeedynastie Andreesen erschüttert ihren Willen. Zwar kann sich die selbstbewusste Felicitas kaum ein Leben als Ehefrau und Repräsentantin des vornehmen Kaffeeimperiums vorstellen, doch Heinrichs liebevolle Art geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. „Die Kaffeeprinzessin“ von Karin Engel handelt davon, Entscheidungen zu treffen und den Mut aufzubringen, mit den Konsequenzen zu leben.

„Die Welt der Hansestädter roch nicht nach Talkum, Theater-
schminke und Lampenfieberschweiß, sondern nach Baumwolle, 
Tabak, Kaffee, Reis, Korn und Schifffahrt.“

Engel, Karin: Die Kaffeeprinzessin. München (Knaur Taschenbuch) 
2008, S.9.

Karin Engel und „Die Kaffeeprinzessin“: Die Rezension

Schon zu Beginn lernen wir Felicitas‘ eigenwillige und selbstbewusste Art kennen. Die Siebzehnjährige genießt einen Milchkaffee in einem auffällig hellblauen Kleid im Kaffeehaus Andreesen ohne Erlaubnis oder Begleitung ihrer Eltern – eine Provokation in der damaligen Zeit. Doch hinter ihrer selbstsicheren Fassade verbergen sich so manche Ängste und Zweifel. Angst davor, ihrer Schauspiellehrerin gegenüber zu treten, die sie so einfach zu durchschauen vermag. Zweifel darüber, ob sie ihre Zukunft wirklich auf der Bühne sieht.

Felicitas als Protagonistin ist vielschichtig, kämpferisch und vermittelt ein fortschrittliches Frauenbild in einer Zeit, in der Emanzipation noch in den Kinderschuhen steckte. Was mir anfangs recht gut gefiel, entwickelte sich jedoch im Laufe der Geschichte zum größten Störfaktor. Je mehr Erfolge und Fortschritte Felicitas in der von Männern dominierten Kaffeebranche aufweisen konnte, desto unrealistischer erschien mir die Handlung. Probleme – die gar nicht so häufig auftauchten – konnte sie im Handumdrehen und ohne große Verluste lösen. Stellenweise nahm sie die Rolle einer Mary Sue ein.

In „Die Kaffeeprinzessin“ lernen wir jedoch nicht nur Felicitas‘ Gefühlswelt kennen. Der auktoriale Erzähler wendet sich auch anderen handelnden Personen zu, die eigentlich nur nebensächlich mit dem Hauptthema zu tun haben. Dadurch habe ich mich zunächst schwer getan, die wichtigen Charaktere zu identifizieren und war etwas überfordert mit der Personenvielfalt. Dennoch hat diese Art der Darstellung der Geschichte eine unwahrscheinliche Tiefe verliehen, da man immer genau wusste, was jeden Einzelnen motiviert und bewegt.

Womit mich Karin Engel wirklich beeindrucken konnte, war ihre ‚unbemühte‘ Sprache. ‚Unbemüht‘ im Sinne von – schlicht, aber effektvoll. Sie schreibt ohne blumige Metaphern, wilde Wortspielereien oder reißerische Ausdrücke und versteht es dennoch den Leser sofort in eine andere Welt zu katapultieren. Sobald ich stets auch nur einen Satz gelesen hatte, fühlte ich mich sofort mitten in die Handlung versetzt. Sie kommt dabei ohne schmückendes Beiwerk aus und schafft es dennoch eine Vielzahl von Sätzen zu formulieren, die in meine Zitatsammlung Eingang gefunden haben.

Insgesamt und aus meiner rein subjektiven Sicht würde ich „Die Kaffeeprinzessin“ von Karin Engel mit 3 von 5 Sternen bewerten. Es hatte eine tolle Sprache, viele schöne Handlungsansätze, aber leider auch ein paar Schwachpunkte, die sich gegen Ende hin summiert haben.3 Sterne Wertung

Meine Meinung kurz gefasst

Gerade zu Beginn der Geschichte war ich Feuer und Flamme für dieses Buch, da mich die Autorin mit ihrer einfachen und doch effektvollen Sprache beeindruckt hat. Auch die starke Protagonistin in dieser für Frauen schwierigen Zeit zog mich in ihren Bann. Doch je mehr ich davon las, desto mehr ging vom anfänglichen Charme verloren. Die gekonnte Ausdrucksweise konnte nicht mehr darüber hinwegtrösten, dass sich Felicitas Stärke scheinbar immer mehr zu einer äußerst unrealistischen Superkraft entwickelte.

Allgemeine Angaben zu „Die Kaffeeprinzessin“

Titel: Die Kaffeeprinzessin; Autor: Karin Engel

Reihe: Belle Epoque Romane

  1. Die Kaffeeprinzessin
  2. Das Erbe der Kaffeeprinzessin
  3. Die Schaustellerin
  4. Die Teehändlerin
  5. Der geheime Salon

ISBN: 978-3-426-50279-2

Verlag: Knaur TB; Ort: München

Jahr: 2008; Seiten: 592 Seiten

Preis: 08,00 € (Taschenbuch Sonderausgabe, Zeitpunkt der Rezension)

Autorenporträt: Karin Engel alias Karin Angela Stahlhut

Karin Angela Stahlhut schreibt als Karin Engel historische Romane aus der Belle Epoque.
© Sönke Dwenger

Karin Engel ist das schriftstellerische Pseudonym der Journalistin und Redakteurin Karin Angela Stahlhut. Aktuell lebt und wirkt sie in Dithmarschen an der Westküste Schleswig-Holsteins. Zuvor verschlug das Studium die gebürtige Bremerin nach München, wo sie all das studierte, was ihr den inneren Kosmos der Menschen näher bringen könnte – Theaterwissenschaften, Neuere Deutsche Literatur und Psychologie. Neben ihren redaktionellen und schriftstellerischen Tätigkeiten engagiert sich Karin Angela Stahlhut als Vorstandsvorsitzende im Trägerverein Frauenhaus Dithmarschen, da sie selbst einmal auf die Hilfe dieser Einrichtung angewiesen war. (Stand: August 2014)

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