Nachricht von dir – Guillaume Musso [Rezension]

Wer schon einmal sein Smartphone verloren hat, weiß sicherlich wie nackt und isoliert man sich daraufhin fühlt. Guillaume Musso nimmt in „Nachricht von dir“ sich dieser Thematik an und verbindet zwei Schicksale anhand zweier, vertauschter Handys miteinander. Doch wer einen Liebesroman erwartet, hat sich gründlich getäuscht.

„Nachricht von dir“: Inhalt in Kurzform

Nachricht von dir Guillaume Musso

New York, Flughafen JFK

Eine Woche vor Weihnachten tummeln sich zahlreiche Heimreisende auf den Flughäfen der Welt. So treffen wir zunächst auf Madeline, die am Telefon ihrer besten Freundin begeistert vom romantischen Heiratsantrag Raphaels erzählt. Beide warten nun als Frischverlobte am New Yorker Flughafen auf ihren Rückflug nach Paris.

Für Jonathan hingegen ist die Zeit der Rosa Wolken vorbei. Er möchte am Kennedy Airport lediglich seinen Sohn Charly von seiner Ex-Frau Francesca abholen, um schleunigst die nächste Maschine nach San Francisco nehmen zu können.

Zufall oder Schicksal – beide vertauschen unbemerkt bei einem Zusammenprall ihre typgleichen Smartphones. Was sie noch nicht ahnen, ihr Leben ist über mehr Verbindungen miteinander verknüpft als nur durch verwechselte Telefone.

„Die Stirn an die Scheibe gedrückt, betrachten Sie die wenigen 
Lichter, die noch in der Nacht leuchten, und sagen sich, dass 
am anderen Ende der Stadt vielleicht ein Mann interessiert auf 
den Bildschirm Ihres Smartphones starrt und es dann genussvoll 
durchforstet, um die dunklen Zonen Ihres Privatlebens und Ihre 
dirty little secrets zu erkunden.“ 
Musso, Guillaume: Nachricht von dir. München (Piper Verlag) 
2013, S.9.

Guillaume Musso „Nachricht von dir“: Rezension

Was mich überhaupt erst neugierig auf „Nachricht von dir“ von Guillaume Musso gemacht hat, war der Prolog, der mir in einer Leseprobe begegnet ist. Er trifft absolut den Nerv der Zeit und ich wollte beim Lesen immer zustimmend mit dem Kopf nicken, da die dort beschriebene Entwicklung jeder kennt – also den Weg vom klassischen Handy hin zum topmodernen Smartphone. Dieser Prolog von Musso war für das Buch Fluch und Segen zugleich. Ein Segen, da er meiner Meinung nach äußert feinsinnig den Zeitgeist der letzten beiden Jahrzehnte protokolliert. Ein Fluch, da er in mir Erwartungen geweckt hat, die die folgende Handlung nicht erfüllen konnte.

Nach den Aussagen des Prologs und teilweise auch des Klappentextes erwartete ich einen Plot, der das aktuell heiß diskutierte Thema Datenschutz auf literarische Füße stellt und unterschwellig durch die Protagonisten beleuchtet. Der Gläserne Mensch – einmal auf Papier gebannt. Dadurch, dass ich schon einige Rezis zu „Nachricht von dir“ gelesen hatte, konnte mich auch das romantische Cover, das eher an einen Sparks- oder einen Pilcher-Roman erinnert, nicht von dieser Polit-Idee abbringen. Dieses Buch ist wirklich alles andere als ein Liebesroman, doch mit Politik hatte der darin versteckte Thriller leider weniger zu tun.

Beide Protagonisten, Madeline und Jonathan, sind Personen, die in ihrem Leben und Wirken schon überdurchschnittlichen Erfolg hatten, jedoch mit ihren Lebensentwürfen letztendlich scheiterten. Ihre neu aufgebauten, solideren Existenzen beginnen an Fundament zu verlieren, je mehr sie sich auf den anderen über das verwechselte Handy einlassen. Tatsächlich fühlte ich weder mit Madeline noch mit Jonathan wirklich mit. Zwar war Jonathan mit seinem kleinen Sohn Charly für mich der Sympathischere, doch traf er im späteren Verlauf ebenso abstruse Entscheidungen wie Madeline schon von Anfang an. Es ist für mich beispielsweise kaum nachvollziehbar, warum ein Vater, der seinen Sohn seit der Scheidung nur noch alle paar Wochen zu sehen bekommt, ihn kurz vor Weihnachten alleine lässt, obwohl er sein Vorhaben auch telefonisch hätte abwickeln können. Aber er musste ja scheinbar unbedingt persönlich von San Francisco nach London fliegen, um eine Aussage zu machen.

Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Geschichte stets neue Überraschungen bereit hält und wirklich spannend zu lesen ist. An manchen Stellen konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und musste mehrere Kapitel trotz abendlicher Übermüdung zu Ende lesen, da ich sonst nicht hätte schlafen können. Bei all den Spannungen und kreativen Wendungen muss ich jedoch auch hier kritisieren, dass die innere Logik der Handlung darunter gelitten hat. In der Handlung passieren Zufälle, an die ich nun wirklich nicht glauben kann. Allein wie ihre beiden Leben über Länder und Kontinente hinweg miteinander verknüpft sind, ist schon so unglaubwürdig, dass es einem fast die Lesefreude nimmt. Man muss sich vermutlich einfach darauf einlassen und den Zufall nicht zu sehr hinterfragen, was ich dann stets versucht habe. Aber die Stimme, die immer wieder flüstert: „Solche Dinge passieren nicht. Das ist vollkommen unlogisch.“, kann ich nicht einfach abstellen.

Alles in allem habe ich vermutlich zu viel von der Handlung – ausgelöst durch den Prolog – erwartet, sodass „Nachricht von dir“ für mich eher zu den mittelmäßigen Büchern zählt. Dieser Eindruck ist äußerst subjektiv, da ich mir vorstellen kann, dass das Buch eine Vielzahl von Lesern begeistern kann. Es ist aufregend, abwechslungsreich und spannungsgeladen. Ich hatte mir allerdings mehr zur Smartphonethematik erhofft, die gegen Ende hin sogar gänzlich fallen gelassen wurde. Deswegen hat es für mich nur zu einer drei Sterne Wertung gereicht.

3 Sterne Wertung

Ein kurzes Fazit

Verpackt in einem romantisch anmutenden Einband, entpuppt sich Guillaume Mussos „Nachricht von dir“ schon bald als ein überraschend actionreicher Thriller. Spannend und mit unerwarteten Wendungen erzählt Musso von Jonathan und Madeline. Leider handelten beide oftmals auf eine schwer nachzuvollziehende Art und Weise, was ebenso wie die äußerst unglaubhaften Zufälle zu einem eher mittelmäßigen Leseeindruck meinerseits beigetragen hat. Die Handlung war ihrem Prolog leider nicht gewachsen.

Allgemeine Angaben zum Buch

Titel: Nachricht von dir (OT: L’appel de l‘ange); Autor: Guillaume Musso

ISBN: 978-3492302944

Verlag: Piper Verlag; Ort: München

Jahr: 2013 (Original: 2011); Seiten: 453 Seiten

Preis: 9,99 € (Taschenbuch, Zeitpunkt der Rezension)

Guillaume Musso: Biographie & Bibliographie

Musso Guillaume Nachricht von dir
By Bove Morgan (Bove Morgan) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der französische Autor Guillaume Musso wurde am 06. Juni 1974 in Antibes geboren. (Alles Gute zum 40. wünsche ich nachträglich!) Als Sohn einer Bibliotheksleiterin war er schon von Kindesbeinen an mit der Literatur und der Schriftstellerei umgeben.

Er studierte in Südfrankreich Wirtschaft und mit 19 zog es ihn für eine Weile nach New York. Eine Erfahrung, die sich in seinen Werken immer wieder findet. Sein schriftstellerischer Durchbruch gelang ihn mit „Et après“ (dt. „Ein Engel im Winter“). Dieses Buch handelt von Nahtoderfahrungen und dem Leben danach, was zum Teil auf eigene Erfahrungen nach einem schweren Autounfall beruht.

Auch mit seinen folgenden Büchern konnte er überzeugen und gehört zu den meistverkauften, französischen Autoren.

(Stand: Juni 2014)

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