Prinz der Dunkelheit – Mark Lawrence [Rezension]

Mark Lawrence Prinz der Dunkelheit

Mark Lawrence konnte mich mit seinem Prinzen der Dunkelheit – im Englischen noch treffender als „Prince of Thorns“ betitelt – endlich aus meiner langen Leseflaute holen.
Prinz der Dunkelheit

Mark Lawrence „Prinz der Dunkelheit“: Inhaltsangabe

Prinz der Dunkelheit CoverVier Jahre sind vergangen seit Jorg Ankrath versteckt in einem Dornenbusch mit ansehen musste, wie Graf Renars Soldaten seine Mutter und seinen kleinen Bruder brutal ermordeten. Den Dornen gleich frisst sich der Hass auf Renar tief in das Fleisch des jungen Thronerben. Sein Groll gilt jedoch nicht nur dem mörderischen Grafen, sondern gleichermaßen seinem untätigen Vater. Der König legt lieber die Hände in den Schoß und erkauft sich Frieden als den Mord an Frau und Sohn zu rächen.

Getrieben von Rachegedanken und dem Scheinheiligtum des Hofes überdrüssig schließt sich Jorg einer Truppe von Straßenräubern an, die plündernd von Dorf zu Dorf ziehen. Fernab der höfischen Kultur erfährt er so, was es tatsächlich bedeutet im Krieg zu sein. Dieses Wissen nutzt er, um seinen ganz persönlichen Feldzug zu beginnen.

„Hass hält einen am Leben, wenn Liebe versagt“
Lawrence, Mark: Prinz der Dunkelheit. München (Heyne) 2013, S.34.

Der Prinz der Dunkelheit: Rezension

Zugegeben, auf den ersten hundert Seiten von Mark Lawrences Prinz der Dunkelheit, fand ich die Handlung ganz nett, aber mehr auch nicht. Mir fehlte Tiefgang, es ging mir stellenweise zu schnell und auch sprachlich war es einfach nur ok – also nicht besonders herausragend. Doch ab einem Punkt in der Geschichte, den ich hier jetzt nicht vorweg nehmen möchte, konnte ich den Prinz der Dunkelheit nicht mehr aus der Hand legen. Alles was mich vorher gestört hatte, habe ich nur noch am Rande wahrgenommen, da ich zu beschäftigt mit Umblättern gewesen bin.

Mark Lawrence schildert die Geschichte in der ich-Perspektive und in der Vergangenheitsform, was ich immer recht angenehm zu lesen finde. Das Besondere lag vor allem in der geschickten Verknüpfung der gegenwärtigen Handlung mit eingeflochtenen Rückblicken. So erfährt man schnell, was den jungen Jorg Ankrath antreibt. Sprachliche Höchstleistung fand ich insbesondere in den Dialogen zwischen Vater und Sohn, die die perfekte Mischung aus Zynismus, Humor und Spott boten.

Von Beginn an begleitet der Leser im Prinz der Dunkelheit seinen Rachefeldzug gegen die Geister der Vergangenheit. Schnell glaubt man die Handlung zu durchschauen und ist im Grund genauso ahnungslos wie Jorg. Gegen Ende ist mir beinahe wörtlich die Kinnlade runtergefallen, da ich mit solchen Wendungen wirklich nicht gerechnet hatte. Ich liebe es, wenn Bücher und Handlungen mich überraschen können. Alles was ich am Anfang zu bemängeln hatte, macht rückblickend gesehen sogar stilistisch Sinn. Daher konnten sich Mark Lawrence und der erste Teil der Trilogie von den anfänglich anvisierten vier Sternen, doch noch zur Höchstwertung von fünf Sternen erheben.

5 Sterne Wertung

Mark Lawrence: Mein Fazit zum Autor und zum Buch

Prinz der Dunkelheit von Mark Lawrence zeigt einen Helden, der sich alles andere als heldenhaft benimmt, eine grausame Welt voll düsterer Fantasie und ein höfisches Intrigenspiel, das jegliche Vorstellungskraft übersteigt. Wohlverdiente fünf Sterne für eine handwerklich ausgereifte Schreibe, überraschende Wendungen und einem Jorg Ankrath voller Widersprüche und Mysterien. Begeisterte Leser von Game of Thrones oder Ken Follets Säulen der Erde werden sich hier sicherlich zuhause fühlen.

Prinz der Dunkelheit von Mark Lawrence: Allgemeine Angaben

Titel: Prinz der Dunkelheit (OT: Prince of Thorns); Autor: Mark Lawrence

Reihe:

  1. Prinz der Dunkelheit (OT: Prince of Thorns)
  2. König der Dunkelheit (OT: King of Thorns)
  3. Kaiser der Dunkelheit (OT: Emperor of Thorns)

ISBN: 978-3453528253

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag; Ort: München

Jahr: 2013 (Original: 2011); Seiten: 380 Seiten

Preis: 13,00 € (Taschenbuch, Zeitpunkt der Rezension)

Mark Lawrence: Autor und Wissenschaftler in einer Person

Mark Lawrence
© Nick Williams

Normalerweise widmet sich Mark Lawrence – Jahrgang 1968 – der Wissenschaft und erforscht künstliche Intelligenz. Doch 2011 debütierte der Wissenschaftler mit seinem Roman Prinz der Dunkelheit, der für mehrere Preise in die engere Auswahl gelangte. Mittlerweile wurde sein Werk in über 20 Sprachen übersetzt. Der gebürtige US-Amerikaner lebt heute zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern in England.

Kleine Info am Rande: Übersetzt ins Deutsche hat dieses Buch Andreas Brandhorst. Wer diesen Mann noch nicht kennt, hat etwas verpasst. Er schreibt selbst Romane – unsterblich ist er für mich jedoch mit seinen Übersetzungen der Scheibenweltromane von Terry Pratchett geworden. Einen sprachlich so markanten Autoren ins Deutsche zu übertragen, ohne lächerlich bemüht zu wirken, ist eine große Kunst, die er mühelos beherrscht. Das kommt auch dem Prinzen der Dunkelheit zugute.

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