Die Zarin der Nacht – Eva Stachniak [Rezension]

Zarin der Nacht

Eva Stachniaks „Die Zarin der Nacht“ blickt zurück auf ein mächtiges Leben und die Bemühungen Licht in die Dunkelheit zu bringen.

In dieser Gastrezension geht es, nachdem meine Mutter, Annegret Mainzer, zunächst ihre „Der Winterpalast“-Rezension verfasst hatte, nun um den zweiten Teil – nämlich „Die Zarin der Nacht“.

Die Zarin der Nacht

Die Zarin der Nacht: Die letzten Tage Katharinas II.

Die Zarin der Nacht CoverOhne Zweifel entspricht der Roman „Der Winterpalast“ der in Kanada lebenden polnischstämmigen Autorin Eva Stachniak den Kriterien, die einen Bestseller ausmachen, wovon diverse positive Rezensionen und die hohen Verkaufszahlen in Kanada, Polen und Deutschland beredtes Zeugnis ablegen.

Seit Herbst 2013 ist nun Eva Stachniaks zweites Buch über Zarin Katharina II. „ Die Zarin der Nacht“ auf dem Büchermarkt, auch auf dem deutschsprachigen.

Während Eva Stachniak im ersten Buch ihre Leser am Leben bei Hofe in St. Petersburg zur Zeit der Ankunft der blutjungen und unerfahrenen Anhalt- Zerbster Fürstentochter bis zu deren Inthronisation als Zarin Katharina II. durch die Augen einer Spionin teilhaben lässt, stehen im zweiten Buch „ Die Zarin der Nacht“  die letzten Tage der Katharinas II. und ihr Rückblick auf ihre Politik und persönlichen Entscheidungen, auf ihre Familie, Favoriten, Weggefährten und ihre Feinde im Mittelpunkt.

Die Zarin der Nacht: Eine wehmütige Retrospektive

Den Höhepunkt ihrer Macht schon längst überschritten und auf dem Sterbebett liegend, ihrer körperlichen Mobilität und ihres Sprachvermögens infolge eines Schlaganfall beraubt, erlebt Katharina II., die einst mächtigste Frau am Zarenhof, wie die sie umgebenden Personen – von der einfachen Bediensteten über hochrangige Staatsmänner bis hin zu Sohn und Enkelsohn – sich auf die Zeit nach ihrem Ableben einrichten. So hegt sie bis zu ihrem letzten Atemzug Zweifel an der wahren Loyalität der ihr Nahestehenden und ihrer Untergebenen. Zweifel, die sie ihr Leben lang begleiteten.

In ihre Beobachtungen, die sie vom Sterbelager aus nur ohnmächtig wahrnehmen kann, mischen sich auch Erinnerungen sowohl an weit zurückliegende wie auch an erst kurz vor ihrem Schlaganfall geschehene Ereignisse, z.B. an ihren misslungenen Versuch, durch die von ihr forcierte  Verlobung ihrer Enkeltochter Alexandra Pawlowna  ein Bündnis zwischen Russland und Schweden zu etablieren.

Eva Stachniak – „Die Zarin der Nacht“ ist ein würdiger Nachfolger

Eva Stachniak

Ihre Retrospektive ihre Favoriten wie Orlow, Poniatowski oder Potemkin betreffend, gehört zweifellos zu den Schlüsselszenen des Romans, um die mächtige Zarin auch als Frau zu verstehen, die sich Zeit ihres Lebens nach der Liebe um ihrer selbst Willen gesehnt hat.

Eva Stachniak zeigt auch eine Zarin, die nach der Geburt ihres ersten Sohnes Paul durchaus von echten Muttergefühlen durchdrungen war, aber aufgrund der von Zarin Elisabeth angeordneten Wegnahme ihres Kindes diese vorerst nicht leben durfte und so nie den richtigen Zugang zu ihrem Sohn fand. Infolge dieses Missverhältnisses hatte Katharina II. den Entschluss gefasst, Sohn Paul von der Thronfolge auszuschließen und ihren Enkel Alexander zu inthronisieren.

Die Ungeheuerlichkeit einer solchen Entscheidung war ihr durchaus bewusst und ließ sie auch mit deren Bekanntgabe zögern. Nun nicht mehr in der körperlichen Lage kommt sie zur bitteren Erkenntnis, dass es dafür zu spät sei, denn auch den Enkel Alexander plagt das schlechte Gewissen gegenüber seinem Vater.

Die Zarin der Nacht: Rezension und Fazit

Im Roman „ Die Zarin der Nacht“ bedient sich Eva Stachniak eines sehr verständlichen, klaren und anschaulichen Sprachstils, der es dem Leser glauben macht, er stünde direkt neben dem Sterbelager der Zarin und erlebe live die letzten Stunden im Leben von Katharina II. mit. Durch die  schonungslos direkte Beschreibung ihrer körperlichen Leiden, z.B. offene Beine, und ihrer absoluten Hilflosigkeit angesichts des Todes befreit die Autorin die Hauptfigur ihres Romans von jeglicher Glorifizierung.

Eva Stachniaks Roman „Die Zarin der Nacht“, ein Zurückschauen auf  das Leben von Katharina II., bietet nicht unbedingt neuste historisch relevante Erkenntnisse, jedoch durch die künstlerische Freiheit der Autorin, die sich aber größtenteils an die historischen Fakten hält, öffnet sich dem an der Historie interessierten Leser der Blick für die scheinbar belanglosen Dinge im Alltag eines gekrönten Hauptes, die aber durchaus die eine oder andere seiner Entscheidungen beeinflussten, wobei ebenfalls Parallelen zu den Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft unserer Zeit gezogen werden können.

Zerbst, den 04.03.2014

Annegret Mainzer

Allgemeine Angaben zum Eva Stachniak Buch

Titel: Die Zarin der Nacht; Autor: Stachniak, Eva

Original: The Empress of the Night

Reihe:  

  1. Der Winterpalast
  2. Die Zarin der Nacht

ISBN: 978-3458359562

Verlag: Insel Verlag

Jahr: 2013; Seiten: 491

Preis: 14,99 € (Taschenbuch, Zeitpunkt der Rezension)

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