Der Winterpalast – Eva Stachniak [Rezension]

Der Winterpalast

Nur ein paar Wort dazu wie dieser Gastbeitrag entstanden ist. Meine Mutter, Annegret Mainzer, war lange Jahre Vorsitzende des Fördervereins Katharina II. e.V., der sich mit dem Andenken an die Prinzessin von Anhalt-Zerbst, der späteren Zarin von Russland, beschäftigte. Nun entdeckte ich  dieses Buch über die junge Katharina im Regal und musste es ihr mitbringen. Daraus entstand eine umfassende Rezension von ihr, die in der Lokalzeitung der Stadt Zerbst/Anhalt veröffentlicht wurde und nun auch an dieser Stelle zugänglich gemacht werden soll.

Der Winterpalast – Meine Buchempfehlung für die Wintertage

Während meines letzten Besuches in St. Petersburg wurde mir ermöglicht, einige der über 350 Ausstellungsräume der Eremitage anzusehen, zu denen auch das Winterpalais gehört. Erst nach meiner Rückkehr wurde mir bewusst, dass ich vor kurzem den Roman „ Der Winterpalast“ von Eva Stachniak gelesen hatte und somit vermutlich dem Ort ihres Romangeschehens sehr nah war.

In Der Winterpalast erzählt die in Polen geborene und seit 1981 in Toronto lebende Eva Stachniak von einer Freundschaft zwischen Warwara, der einfachen Tochter eines Buchbinders, und der Fürstentochter Sophie, die sich im Jahre 1744 anschickte, ihre Heimat, das anhaltische Städtchen Zerbst, zu verlassen, um im fernen und fremden Russischen Reich den Thronfolger zu heiraten.

Was verbindet Wawara, die im Dienste der Zarin Elisabeth und des Reichskanzlers Graf Bestuschew steht und für diese im Palast spionieren soll, und Sophie, die durchaus gewillt ist, den ihr zugedachten Platz am Zarenhof, wo Lug, Trug und Verrat herrschen, zu behaupten, in dieser aus Fiktion und Wahrheit gemischten Geschichte?

Worum geht es in Eva Stachniaks Winterpalast?

Eva Stachniaks Der Winterpalast handelt von diesen beiden Mädchen, Sophie und Wawara, die in sehr jungen Jahren an den Zarenhof kommen, konkreter gesagt in den Winterpalast, d.h. an einen Ort, dessen Wände fast überall Augen und Ohren haben, von denen nur wenige Insider Kenntnis haben. Ausgestattet mit einer gesunden Portion Intelligenz und gesundem Menschenverstand sowie Empathiebegabung, versuchen sowohl die Dienerin Wawara als auch Sophie, die künftige Kaiserin Russlands, in dieser intriganten Scheinwelt der Reichen und Mächtigen zu überleben. Dabei wird Warwara und Sophie schnell klar, dass sie niemandem in ihrer unmittelbaren Umgebung Vertrauen schenken dürfen, denn das könnte lebensgefährlich sein. So ist es nur folgerichtig, wenn im Roman aus diesen Parallelitäten heraus und trotz der sozialen Unterschiede eine freundschaftliche Beziehung zwischen den jungen Frauen entsteht.

Wawara avanciert in Der Winterpalast nicht nur zur wichtigsten Spionin für Kaiserin und Kanzler, sondern auch zur Bundesgenossin Nr. 1 von Großfürstin Katharina, wie Sophie nach ihrer Verlobung mit dem russischen Thronfolger genannt wird. Dadurch, dass Wawara als Spionin Einblick in Privatsphäre des Palastbewohner hat, ist sie in der Lage, der Großfürstin Katharina auf dem Weg zur Macht zu unterstützen und es scheint, als gäbe es ein Happy End. Jedoch steht am Ende des Romans Wawaras enttäuschende Erkenntnis: „Ich war nicht ihre einzige Spionin.“

Meine Meinung zum Buch Der Winterpalast

Die Autorin Eva Stachniak hat mit Der Winterpalast ein Romanwerk geschaffen, das sich durch hervorragende Recherche, einen hohen Unterhaltungswert sowie lebendige Anschaulichkeit auszeichnet, was dem Leser oft das Gefühl vermittelt, das facettenreiche Palast- und Hofleben hautnah zu erleben.

Ich als geborene Zerbsterin sympathisierte sofort mit der Autorin, als ich auf einer der ersten Seiten  las, wie sie unser Zerbst beschrieb:„… diese kleine Prinzessin aus Zerbst, einem deutschen Städtchen, das gerade mal so groß ist wie der Sommergarten von Sankt Petersburg…“. Den Wahrheitsgehalt der Aussage möchte ich nicht überprüfen, aber diese liebevolle Beschreibung zeigt, dass Eva Stachniak vom bisher Üblichen abweicht, denn in den meisten Katharina- Romanen erfährt Zerbst irgendwie eine Abwertung, dabei war die Zerbster Zeit für Katharina II. durchaus persönlichkeitsprägend. Eine eben solche Einstellung zeigt die Autorin auch bei der Darstellung der Persönlichkeit Peters, des Gatten Katharinas. Hierbei lässt sie durchaus neuste Erkenntnisse der Geschichtsforschung einfließen.

Eva Stachniak und die Katharinastadt Zerbst/Anhalt

Eva StachniakEva Stachniaks Der Winterpalast erklomm nicht nur in Kanada den Platz Nr. 1 auf der Bestsellerliste, sondern auch in Deutschland und Polen und wurde vorwiegend positiv rezensiert. Er machte mich außerdem neugierig auf die Autorin. Dank der Möglichkeiten der schnellen Kontaktaufnahme, die uns soziale Netzwerke bieten, gelang es mir, auch mit Eva Stachniak auf Facebook in Kontakt zu treten. Erfreut war sie zu von den bisher in Zerbst entwickelten Initiativen rund um Zarin Katharina II. zu hören. Und als ich vor einigen Tagen Eva Stachniak, die zurzeit zahlreiche Lesungen durchführt, unverbindlich vorschlug, vielleicht mal in naher oder ferner Zukunft eine Buchlesung im Zerbster Schloss durchzuführen, antwortete sie mir: „I would love that!“

Im September diesen Jahres ist Eva Stachniaks zweiter Katharina- Roman „Die Kaiserin der Nacht“ in deutscher Übersetzung erschienen, in dem eine gealterte Zarin ihr Leben reflektiert.

Allgemeine Angaben zum Buch

Titel: Der Winterpalast; Autor: Stachniak, Eva

Original: The Winter Palace

ISBN: 978-3458358954

Verlag: insel Verlag

Jahr: 2012; Seiten: 529 Seiten

Preis: 14,99€ (Taschenbuch, Zeitpunkt der Rezension)

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4 Gedanken zu „Der Winterpalast – Eva Stachniak [Rezension]

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