Der König der Komödianten – Charlotte Thomas [Rezension]

„Die Welt ist unsere Bühne, und unser Stück ist das Leben, und wenn es sich gerade fügt, geben wir unser Spiel vor anderen zum Besten.“

Thomas, Charlotte: Der König der Komödianten. Köln (Lübbe Ehrenwirth) 2010, S.41.

Inhaltsangabe zu Charlotte Thomas „König der Komödianten“

1594 ein Landgut bei Venedig: Marco Zianis Onkel Vittore stirbt während eines Schäferstündchens an Herzversagen. Kurz darauf tauchen ein Priester und ein Notar auf dem Landgut auf und erklären dem jungen Marco, dass sein Onkel ihm zwar etwas vererbt hätte, dessen Verwaltung jedoch bis zu seinem 25. Lebensjahr den beiden obliegt und er bis dahin wohlbehütet hinter klösterlichen Mauern aufwachsen soll. Schließlich könnte ihm jemand wegen seines Erbes nach dem Leben trachten. Doch noch auf der Fahrt ins Kloster trifft Marco auf eine illustre Schauspielertruppe, die zukünftig sein Leben beeinflussen wird und ihn auf den Spuren der Komödianten wandeln lässt.

Meine Meinung zu „König der Komödianten“

Inhalt: ****

Die Geschichte zog mich zwar von Beginn an in ihren Bann, allerdings gab es stellenweise schon einige Längen und langatmige Partien, die ich oft nur überflogen habe. Auch mit den Charakteren musste ich erst warm werden, denn so einige gingen mir am Anfang ziemlich auf die Nerven, da die Autorin häufig ihre Fehler in den Vordergrund gestellt hat. Überraschenderweise habe ich festgestellt, dass ich nach Beendigung des Buchs traurig darüber war die von Charlotte Thomas geschaffene Welt verlassen zu müssen und auch ihren Bewohnern Lebewohl zu sagen. Den ganzen (anfangs nervigen) Schaustellerhaufen hatte ich so lieb gewonnen, dass mich auch ihre Macken nicht mehr störten.

Sprache: *****

Sprachlich überzeugt Charlotte Thomas durch einen routinierten Schreibstil, der sich flüssig und fehlerfrei lesen lässt. Zudem ist er nicht so routiniert, dass er langweilig wäre. Im Gegenteil! Ich konnte so einige schöne Sätze markieren und notieren.

Idee / Kreativität: *****

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„Etwas ist faul in dieser Stadt der Kanäle.“ (S.285)

Eines muss man dieser Geschichte lassen. Sie strotzt nur so vor überraschenden Wendepunkten, dramatischen Szenen und gefühlsreichen Dialogen. Langeweile kam nur an den eher deskriptiven Stellen auf, wenn der Markusplatz von Venedig oder die Gondeln in allen ihren Einzelheiten beschrieben werden. Der Plot, jedoch ist ein wahres Feuerwerk an Höhepunkten und Dramatik, dass es mir stellenweise sogar zu viel des Guten war, da ich gar nicht mehr mit der Handlung hinterher kam. Bei vielen Dingen muss man auch über eine gewisse Unlogik hinwegsehen, wie z.B. dass sich in dieser riesigen Stadt ständig alle möglichen Leute zufällig über den Weg laufen. Nachdem ich mich aber mit der Rasanz der Handlungsentwicklung sowie den dramaturgisch notwendigen Ungereimtheiten angefreundet hatte, war es ein echtes Lesevergnügen und hat mich ziemlich mitgerissen.

Fazit: *****

Dieses Buch bietet buchstäblich ein Feuerwerk an dramatischen Ereignissen, die einen quasi wie im Rausch die Geschehnisse rund um Marco Ziani und der Schaustellertruppe miterleben lassen. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, da es mich immer wieder mit einer Überraschung bei der Stange hielt. Mord, Verwechselung, Theater, Liebe. Charlotte Thomas lässt nicht einen dramaturgischen Bereich aus. Zwar geht die hohe Geschwindigkeit an einigen Stellen zu Lasten der Logik, aber im Gegenzug dazu entwickeln sich die handelnden Personen ebenso schnell zu wahrlich realistischen Menschen mit Stärken und Schwächen. Menschen, die man gerne um sich hätte, um mit ihnen über Gott und die Welt zu reden. Ein toller historischer Roman und für Italienfans genau das Richtige.

Allgemeine Angaben

Titel: Der König der Komödianten; Autor: Charlotte Thomas

ISBN: 978-3431038071

Jahr: 2010; Seiten: 704 Seiten

Preis: 4,99€ (Gebundene Ausgabe, Zeitpunkt der Rezension)

Autorenporträt: Eva Völler alias Charlotte Thomas

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© A.Savin / Wikimedia Commons
Eva Völler schreibt unter den Pseudonymen Charlotte Thomas, Francesca Santini, Anne Sievers, Paula Renzi, Sibylle Keller und Ina Hansen.

Eva Völler wuchs im Bergischen Land nahe Wuppertal auf und zog daraufhin aus, um Philosophie und Rechtswissenschaften zu studieren. Im Jahre 1986 legte sie ihr zweites juristisches Staatsexamen ab und hatte bis 1992 ein Richteramt inne. Im Anschluss daran arbeitete sie bis 2005 als selbstständige Rechtsanwältin und nun ist sie eine freiberufliche Schriftstellerin. Unter verschiedenen Pseudonymen wie Charlotte Thomas oder Anne Sievers verfasst sie nun Romane und Erzählungen in vielen verschiedenen Genres. Bisher erreichten ihre Werke eine Gesamtauflage von einer Million. 1995 gewann sie mit „Wenn der Postmann nicht mehr klingelt“ den Frauengeschichtenpreis der Verlagsgruppe Lübbe.

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